Clean Core bei SAP
Clean Core beschreibt einen SAP-Standardkern, der so weit wie möglich unverändert bleibt. Individuelle Anforderungen werden nicht mehr direkt im Kern programmiert, sondern über freigegebene Wege umgesetzt: über released APIs, über ABAP Cloud im System (on-stack) oder über die SAP Business Technology Platform daneben (side-by-side).
Woher der Begriff kommt
Die Idee, den Kern sauber zu halten, geht auf einen SAP-Vortrag von 2018 zurück. Aktuell ist sie so präsent wie nie: SAP hat bekräftigt, dass Clean Core für Cloud-ERP kein Sonderweg, sondern die Voraussetzung für planbare Upgrades, ki-fähige Prozesse und eine reibungslose Anbindung an die SAP Business Technology Platform ist. Wer heute modifiziert, riskiert morgen teure Nacharbeit bei jedem Release.
Mehr als nur weniger Z-Code
Clean Core wird oft auf die Anzahl eigener ABAP-Reports reduziert, geht aber deutlich weiter. SAP fasst das Konzept in sechs Dimensionen: Code, Datenmodell, Konfiguration, Prozesse, Integration und User Experience. Ein sauberer Kern bedeutet also auch klar definierte Schnittstellen statt direkter Tabellenzugriffe, Standardprozesse statt individueller Sonderwege und einheitliche Oberflächen statt gewachsener Insellösungen. Nur wer alle sechs Dimensionen betrachtet, vermeidet, dass sich Altlasten an anderer Stelle einfach neu bilden.
Warum das Ihre Cloud-Entscheidung betrifft
In der Public Cloud sind Modifikationen am Standardkern technisch ausgeschlossen. Wer heute Custom Code aus historischen Gründen mitschleppt, muss ihn vor dem Umstieg entweder ablösen oder über ABAP Cloud beziehungsweise die SAP BTP neu abbilden. Je früher diese Bestandsaufnahme beginnt, desto planbarer wird der Weg in die Cloud.