SAP Clean Core: Warum Ihr System individueller wirkt, als es ist
Fast jedes Unternehmen ist überzeugt: „Unser SAP ist ein Sonderfall." hört diesen Satz in praktisch jedem Projekt. Ihre Erfahrung: Die tatsächliche Individualität liegt fast immer niedriger, als sich das anfühlt. Eine faktenbasierte Analyse zu Beginn eines S/4HANA-Projekts zeigt das schnell.
Der Mythos: „Unser SAP ist etwas ganz Besonderes"
ECC-Systeme wachsen über 15 oder 20 Jahre. In dieser Zeit entstehen Z-Programme, User-Exits und unzählige Customizing-Einstellungen. Irgendwann weiß niemand mehr genau, was davon noch gebraucht wird und was nur historisch mitgeschleppt wird. Die Menschen, die vieles davon gebaut haben, haben das Unternehmen oft längst verlassen. Übrig bleibt ein Gefühl: „Unser SAP ist extrem speziell."
Komplexität ist nicht gleich Individualität
Viele Fachbereiche verwechseln beides. Ein Prozess, der sich für Anwenderinnen und Anwender anders anfühlt oder über Jahre gewachsen ist, muss technisch nicht individuell sein. Oft handelt es sich um Standardprozesse mit etwas Customizing, einem eigenen Report oder einer anderen Reihenfolge von Arbeitsschritten. Für die Nutzenden fühlt sich das wie eine Maßanfertigung an, obwohl der Kernprozess dem Standard sehr nahekommt.
Hinzu kommt Psychologie: Wer viel Zeit, Geld und Energie in ein System investiert hat, empfindet die eigenen Lösungen automatisch als besonders wertvoll. Wenn ein Public-Cloud-Projekt dann zeigt, dass der Standard vieles bereits abdeckt, wirkt das schnell wie ein Verlust der eigenen Arbeitsweise. Auch politische Aspekte spielen eine Rolle: Fachbereiche verteidigen ihre Speziallösungen als Wettbewerbsvorteil oder Teil der eigenen Identität, und IT-Teams tun sich mit dem Gedanken schwer, dass viele Eigenentwicklungen künftig überflüssig werden.
Warum das heute anders zu bewerten ist als früher
In der klassischen ECC-Welt waren Eigenentwicklungen oft tatsächlich notwendig, weil der Standard viele Anforderungen schlicht nicht abdeckte. SAP S/4HANA Public Cloud bringt heute umfangreiche Best Practices, moderne Workflows und Embedded Analytics bereits im Standard mit. SAP selbst nennt das Prinzip „Clean Core": Der Kern bleibt frei von Custom Code, individuelle Erweiterungen wandern in klar definierte Extensibility-Konzepte. Viele Unternehmen unterschätzen, wie viel davon heute ganz ohne Eigenentwicklung abgebildet werden kann.
Fakten statt Gefühl: Der erste Schritt zählt
Der wichtigste Schritt zu Beginn eines Public-Cloud-Projekts ist deshalb immer eine faktenbasierte Analyse. Werkzeuge wie der SAP Readiness Check oder eine WestTrax-Analyse trennen Wahrnehmung von Realität. In vielen Projekten zeigt sich dabei, dass ein großer Teil der Eigenentwicklungen seit Jahren gar nicht mehr genutzt wird oder sich heute problemlos durch Standardfunktionen ersetzen lässt.
Wrona bringt die eigentliche Frage der Fit-to-Standard-Workshops so auf den Punkt: Welche Besonderheiten schaffen heute wirklich Geschäftswert, und welche sind einfach gewachsene Gewohnheit? Diese Diskussion ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für eine gelungene S/4HANA-Public-Cloud-Einführung.
Fazit
Ein historisch gewachsenes SAP-System fühlt sich individuell an, weil so viele Entscheidungen und Gewohnheiten darin stecken. Technisch trifft das auf einen kleineren Teil zu, als die meisten Beteiligten schätzen würden. Eine strukturierte Bestandsaufnahme vor dem S/4HANA-Umstieg macht sichtbar, welche Anpassungen wirklich noch gebraucht werden.
Wer vor einem S/4HANA-Projekt steht, findet über einen SAP Readiness Check oder eine WestTrax-Analyse einen konkreten Einstieg in diese Bestandsaufnahme. Unsere Expertinnen und Experten unterstützen dabei.